Bis heute haftet den Orchideen der Ruf des absolut Exklusiven an, ihre Pflege scheint auch dem erfahrenen Zimmergärtner als
kaum durchführbar; außer im Gewächshaus oder Tropenfenster. Dabei weiß man es mittlerweile längst besser. Viele Arten
haben sich auf dem Fensterbrett nicht schwieriger erwiesen als andere längst bekannte Topfgewächse wie Kamelie oder
Gardenie.
Natürlich muss man bei dieser wahrscheinlich artenreichsten Familie unter den Blütenpflanzen diejenigen aussuchen, die mit
einem Platz in der Wohnung vorlieb nehmen. Aber das sind gar nicht wenige und
keineswegs die unscheinbarsten. Hinzu kommt, dass sich auch die Ziele der Züchter
auf die Eignung neuer Sorten für die Zimmerkultur richten und dass hier schon
einige beachtliche Erfolge zu verzeichnen sind.
Man kann Orchideen wie manche andere Pflanzenfamilien in zwei große Gruppen
unterteilen: terrestrische, also in der Erde wurzelnde Arten und solche, die als
Aufsitzer epiphytisch auf Bäumen tropischer Wälder leben. Fast alle im Zimmer
kultivierten Orchideen, außer Paphiopedilum, dem Frauenschuh, und den Cymbidien gehören zu den Epiphyten.
Von den heute geschätzten 25000 Orchideenarten, die außer im ewigen Eis und in
Wüsten die Klimazonen der ganzen Erde bevölkern, wächst die eine Hälfte
terrestrisch, die andere epiphytisch. Das ist eine grobe Schätzung, möglicherweise so
korrekturbedürftig wie die Annahme, dass zu den 25000 Arten noch einmal doppelt
so viele Züchtungen kommen. In beiden Fällen wird man wohl höher greifen müssen.
In Kultur brauchen Orchideen vor allem ein sehr durchlässiges, luftiges Substrat.
Für Epiphyten verwendet man dazu meist eine Mischung aus Osmunda-Fasern, das
sind getrocknete und zerkleinerte Wurzeln des Königsfarns, Sumpfmoos
(Sphagnum) und Borkenstücke. Auch spezielle Orchid-Chips aus aufgeschäumtem Kunststoff sind gut geeignet.
Als Pflanzgefäße dienen spezielle Tontöpfe mit durchlöcherten Wandungen oder
Orchideenkörbchen aus Holzplättchen oder Plastikelementen. Bei terrestrischen
Orchideen werden Torf, Sphagnum und Blumenerde gemischt, wobei jeder
Orchideengärtner seine eigene Spezialzusammensetzung hat, auf die er schwört.
Im gut sortierten Fachgeschäft kann man Orchideen-Kultursubstrate fertig kaufen.
Im Zimmer wünschen fast alle Orchideen einen hellen, absonnigen Platz, im Winter
die übliche Raumtemperatur oder etwas darunter.
Da in der Regel, wie bei vielen Exoten, die mangelnde Luftfeuchtigkeit den Pflanzen
am meisten zusetzt, sollte man mit Wasser gefüllte Schalen in der Nähe aufstellen und
die Pflanzen selber häufig tauchen und übersprühen (nicht auf die Blüten!); das
alles aber nur mit zimmerwarmem, kalkfreiem Wasser. Ansonsten ist beim Gießen.
Vorsicht geboten, meist tut man des Guten zuviel.
Gedüngt wird in der Regel nur schwach und in größeren Abständen, am besten mit einem speziellen Orchideendünger.
Die Vermehrung erfolgt je nach Art durch die Teilung der dem Rhizom entsprießenden, verdickten Triebe. Manche Orchideen
zerfallen beim Herausnehmen aus dem Topf von selbst. Einige lassen sich durch
Kopfstecklinge vermehren, wobei jeder Steckling zwei Luftwurzeln haben sollte.
Einige Orchideen wie Phalaenopsis oder Dendrobium bilden Kindel, die man nach
erfolgter Bewurzelung abtrennen und neu einpflanzen kann.
Brassia verrucosa
ist ein Epiphyt aus Mittelamerika mit bizarr geformten Blüten in
Rispen. Heller, jedoch absonniger Stand und möglichst viel Frischluft bei
Zimmertemperatur im Winter wird gewünscht. Im Winter darf man nur sparsam gießen.
Gedüngt wird im Sommer alle zwei Wochen mit schwacher Konzentration.
Diese Orchidee ist pflegeleicht und eine gute Pflanze für all die, die mit der Orchideenzucht anfangen.
Coelogyne cristata
ist eine Hochlandorchidee aus dem Himalajagebiet mit
reinweißen, 10 cm großen Blüten in Trauben. Der Stand sollte hell und ohne direkte
Sonne (außer im Winter) sein. Dann werden meist Temperaturen um 15° C, aber
auch mehr vertragen. Ganzjährig darf man nur mäßig gießen. Gedüngt wird alle zwei
Wochen mit schwacher Konzentration. Diese Orchidee ist pflegeleicht und eine gute Anfängerpflanze.
Cymbidium
ist eine terrestrische, sehr groß werdende, herrlich blühende
Orchidee aus Südostasien und Australien. Für die Zimmerkultur eignen sich nur die
Mini-Hybriden. Cymbidium wünscht einen sehr hellen, auch leicht sonnigen Stand. Im
Sommer kann es in lichtem Gehölzschatten im Freien stehen. Im Winter sollten
Zimmertemperaturen herrschen, jedoch nicht unter 12° C. Im Sommer wird reichlich
gegossen, im Winter weniger. Auch Übersprühen ist günstig. Gedüngt wird alle zwei
Wochen mit schwacher Konzentration. Die Pflege ist einfach.
Dendrobium,
eine sehr umfangreiche Gattung aus Südostasien, Australien und
Neuseeland, wünscht einen hellen, absonnigen Standort. Die Temperaturen sollten
im Winter um 18° C liegen, eine Nachtabsenkung ist günstig. Im Sommer muss man
zurückhaltend, im Winter sparsam gießen. Während der Wachstumszeit wird alle zwei
Wochen nur schwach konzentriert gedüngt. Insgesamt ist die Pflege nicht ganz
einfach. Die Ansprüche variieren von Art zu Art.
Epidendrum
ist ein Epiphyt aus dem tropischen Amerika für helle, absonnige Plätze.
Überwintert wird bei Zimmertemperatur, jedoch nicht unter 15° C. Ganzjährig gießt
man nur mäßig, bis zur Blüte im Spätherbst und Winter wird auch übersprüht.
Während des Wachstums düngt man alle zwei Wochen mit schwacher Lösung, im Winter
monatlich. Die Pflege ist nicht schwierig.
Lycaste,
eine epiphytische Hochlandorchidee aus Südamerika, ist bei hellem,
kühlem Winterstandort um 15° C leicht zu pflegen. Der Sommerstandort kann
schattig im Freien sein. Ganzjährig wird mäßig gegossen und alle zwei Wochen schwach
gedüngt. Im Herbst zu Beginn der Ruhezeit stellt man die Pflanze zwei Wochen lang völlig trocken.
Odontoglossum,
eine Hochlandorchidee aus dem tropischen Amerika, verlangt
einen kühlen, hellen, absonnigen Winterplatz mit Temperaturen um 15°C. Diese
Orchidee wird ganzjährig stets leicht feucht gehalten und gelegentlich auch
übersprüht. Monatlich düngt man schwach. Die Pflanze ist pflegeleicht, sofern ein kühler
Winterstand, möglichst mit nächtlicher Temperaturabsenkung um 3-4 Grad, angeboten werden kann.
Paphiopedilum,
der Frauenschuh, ist eine südostasiatische, überwiegend
terrestrische, heute in jedem besseren Blumengeschäft angebotene Orchidee mit einer
Vielzahl von Zuchtsorten. Sonnenarmer Stand bei winterlich warmen
Zimmertemperaturen wird gewünscht. Der Boden darf nicht abkühlen, die Orchidee wird
ganzjährig gleichmäßig feucht gehalten. Gedüngt wird monatlich mit sehr schwacher Konzentration oder Hydrodünger.
Phalaenopsis,
die Malaienblume, oder Nachtfalterorchidee, ist ein Epiphyt aus
Südostasien und Ozeanien. Man gießt ganzjährig nur sparsam, die Erde lässt man
dazwischen abtrocknen. Es darf nicht ins 'Herz' gegossen werden. Heller
Stand ohne direkte Sonne und Wintertemperatur um 18 bis 20°:C werden gewünscht. Im
Sommer düngt man mit Blumendünger in schwacher Konzentration.
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